Der Kölner "Zwitterprozess" (eins / zwei / drei / vier) brachte es ans Licht: Im "ziviliserten" Europa werden regelmässig Zwischengeschlechtliche ("Intersexuelle / Hermaphroditen / Zwitter) von rücksichtslosen Medizynern ohne ihre Zustimmung "prophylaktisch" kastriert und an ihren "uneindeutigen" Genitalen zwangsoperiert. Wie kann es zu solchen Ungeheuerlichkeiten kommen? Wie rechtfertigen die Medizyner ihre Verbrechen? Ein Einblick in die Gedankenwelt eines offensichtlich unverbesserlichen Zwangsoperateurs, der leider kein Einzelfall ist ...

PD Dr. med. Marcus-Georg Schwöbel, Chefarzt der Abteilung Kinderchirurgie des Kinderspitals Luzern, nennt in der Presse gern die goldene Zahl von "rund 50" genitalen Zwangsoperationen -- Pardon: "geschlechtszuweisenden Behandlungen" --,  an denen er bisher "beteiligt" war. (1)

Dr. Schwöbels stereotype Begründung für diese menschenrechtswidrigen Zwangseingriffe:

Das sind Menschen, die mit zwei Möglichkeiten auf die Welt kommen. Und man entscheidet sich dann für die Möglichkeit, von der wir meinen, dass sie für den Menschen am Adäquatesten ist. (2)

Am liebsten trifft (wie viele seiner KollegInnen) auch Halbgott Dr. Schwöbel seine irreversiblen Entscheidungen per Skalpell möglichst rasch nach der Geburt:

In der Regel [sind die Kinder bei diesen Eingriffen] etwa zwei Jahre alt. Bis Mitte der Neunzigerjahre war es üblich, noch früher zu operieren, da man Fälle von Intersexualität als Notfälle betrachtete. (3)

Sprich, bis in Amerika Selbsthilfegruppen begannen, für Selbstbestimmung sowie Menschenrechte auch für Zwitter zu lobbyieren -- und juristisch gegen Zwangsoperateure vorzugehen!

Weil von selbst oder gar aus Einsicht heraus hören diese bekanntlich mit den lukrativen Zwangsoperationen nicht auf. So auch Dr. Schwöbel, der menschenrechtsverletzende Zwangseingriffe mit den immer gleichen Stereotypen unverdrossen weiter fordert:

Eltern von Kindern, die an einem intersexuellen Genitale leiden, stehen vor einem Dilemma. Sie fragen sich, ob ihr Kind nun ein Bub oder ein Mädchen ist, und wollen ihrem Kind die Möglichkeit geben, eine bestimmte Richtung zu leben. Die Idee unserer Chirurgie ist, dass wir versuchen, dem Kind die äusseren Formen zu geben, die seiner Geschlechtsidentität am besten entsprechen. (3)

Fakt ist: Niemand kann die "Geschlechtsidentität" eines Säuglings bestimmen. Zwangsoperateure wie Dr. Schwöbel & Konsorten orientieren sich deshalb letztlich nach wie vor am körperlichen Erscheinungsbild ("Mädchen [...] [mit] weibliche[n] Chromosomen", "Knaben mit Hoden") sowie am chirurgisch machbaren (3) -- und operieren somit "auf gut Glück".

Was die meisten der "Versuchskaninchen" über die an ihnen vollführten Zwangsoperationen denken, interessiert Dr. Schwöbel (wie die meisten seiner Zunft) nicht weiter. Noch peinlicher, dieses öffentlich eingestandene Nichtwissen wird auch von Dr. Schwöbel einmal mehr kurzerhand als "Beweis" für die Richtigkeit der Zwangseingriffe umfunktioniert:

Die wenigen Rückmeldungen von erwachsenen Patientinnen und Patienten sind fast durchwegs positiv. (3)

Warum hingegen die erdrückende Mehrzahl der "erwachsenen Patientinnen und Patienten" sich nie mehr bei ihren Zwangsoperateuren meldet, will auch Dr. Schwöbel lieber gar nicht erst wissen. Bequemerweise werden Zwangsoperierte auch in "seiner" kinderchirurgischen Abteilung entgegen den sonst üblichen Regeln der Kunst nie systematisch in Nachuntersuchungen zu den Behandlungsresultaten befragt ...

Auch die in der medizinischen Literatur x-fach belegte Tatsache, dass "ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz" der Zwangsoperierten sich "im Lauf der Pubertät oder im Erwachsenenalter entschließt", das ihnen per Zwangsoperation "zugewiesene soziale Geschlecht zu wechseln" (4), verkehrt Dr. Schwöbel gern flugs ins Gegenteil als weiteren "Beweis" für die Richtigkeit der Zwangseingriffe: 

Nur selten streben erwachsene Patientinnen und Patienten einen Geschlechtswechsel an [...]. (2)

Weshalb die erdrückende Mehrzahl der "erwachsenen Patientinnen und Patienten" sich nie mehr bei ihren Zwangsoperateuren melden, machen nebst zahllosen persönlichen Schilderungen von betroffenen Menschen unterdessen auch medizinische Studien klar: Weil sie aufgrund der ihnen durch die Zwangsbehandlungen zugefügten Traumata für den Rest ihres Lebens eine panische Angst vor Ärzten und Spitälern haben!

So fasste die Fachzeitschrift Gynäkologische Endokrinologie unlängst einleitend zusammen: "Die Behandlungsunzufriedenheit von Intersexuellen ist nach der Hamburger Intersex-Studie eklatant hoch."  Zwei Drittel aller befragten Zwangsbehandelten sind "z.T. unzufrieden" bis "sehr unzufrieden"! (5)

Kein Anlass für Dr. Schwöbel, etwa sein menschenrechtswidriges Konzept zu überdenken. Stur hält er an seinen alten Stereotypen fest und verteidigt weiter die Zwangsoperationen:

Weil die Gesellschaft so gebaut ist und weil jetzt aus der Evolution raus auch schon bei Wenigzellern ganz klar eine Geschlechtsbestimmung vorhanden ist. Bei Würmern, bei Fliegen, bei Mücken haben sie auch schon ganz klar Männchen und Weibchen [...]. Und ich denke das ist der in Anführungszeichen normale Weg. (2)

Das einzige, was Dr. Schwöbel laut eigenem Bekunden allenfalls in seinem menschenrechtswidrigen Tun stoppen könnte, ist die Aussicht, sich dereinst für seine medizinischen Verbrechen z.B. vor Gericht verantworten zu müssen. So antwortete er auf die Frage, ob der damals unmittelbar bevorstehende Kölner "Zwitterprozess" von Christiane Völling gegen ihren Zwangsoperateur einen Einfluss auf ihn habe: 

Er hat in dem Sinn einen Einfluss, dass ich mir noch genauer überlege,ob ein Eingriff nötig ist. Es gibt mir einen gewissen Respekt vor dem, was wir tun, und es macht mir gewisse Sorgen, ob wir richtig handeln,und ob das, was wir jetzt tun, auch noch dreissig Jahre hält. (2)

Das Empörende an dieser Aussage: Einmal mehr interessiert Dr. Schwöbel nicht, wie seine Opfer für den Rest ihres Lebens mit dem ihnen Angetanen zurechtkommen. Das einzige, was ihn interessiert, ist der Zeitraum der absoluten Verjährungsfrist, die bekanntlich 30 Jahre beträgt! Und: Wie sich die Schuld für die menschenrechtswidrigen Zwangseingriffe sogleich an andere abzuschieben lässt:

Es sind meist die Eltern, die dringend wünschen, das Kind einem Geschlecht zuzuordnen, ich dränge niemals dazu. (1)

Heute überlässt man die Entscheidung zunehmend den Eltern, wann und ob eine Operation durchgeführt werden soll. (3)

Eltern, die sich regelmässig über den "hohen Druck zur Geschlechtsanpassung" seitens der behandelnden Medizyner beklagen, welche genitale Zwangsoperationen oft in erster Linie als "chirurgische Herausforderung" wahrnehmen (1). Ein Umstand, den auch Dr. Schwöbel indirekt bestätigt:

Die Herausforderung ist aber nicht derchirurgische Akt an sich, sondern der Anspruch, für das Kind und seineEltern den bestmöglichen Weg zu finden. (1)

Selbstverständlich ohne dem betroffenen Kind je den Hauch einer Chance zu geben, bei dieser "grosse[n] Entscheidung" (2) jemals ein Wörtchen mitreden zu dürfen (sonst wäre es ja keine Zwangsoperation mehr). Schlimmer noch, solange es irgendwie geht, wird Dr. Schwöbel auf Biegen und Brechen mit seinen menschenrechtswidrigen Zwangseingriffen weitermachen, da ihn laut wiederholtem eigenem Bekunden höchstens eines davon abhalten könnte:

«Sollte der Chirurg in Köln für den Eingriff, dener vor 30 Jahren durchführte, verurteilt werden, oder setzt sich die Auffassung von Rechtsprofessorin Büchler durch, müsste die Indikation zu geschlechtsanpassenden Eingriffen neu überdacht werden», sagt Schwöbel. (1)

Fazit: Chefarzt PD Dr. Marcus Schwöbel gehört offensichtlich zur immer noch weit verbreiteten Gattung der unverbesserlichen Zwangsoperateure und wird wohl bis an sein Ende nie zur Einsicht über die Abscheulichkeit seiner menschenrechtswidrigen medizinischen Verbrechen gelangen. Umso notwendiger, dass Dr. Schwöbel und alle übrigen notorischen Zwangsoperateure endlich von aussen gestoppt werden! Nicht gesundheitsrelevante Zwangsbehandlungen (wozu kosmetische genitale Zwangsoperationen und prophylaktische Zwangskastrationen fraglos zählen) sowie Aufrufe dazu verstossen gegen die Menschenwürde und gehören straf- und zivilrechtlich geahndet, die TäterInnen öffentlich angeprangert!

Quellen (alle Links Stand 4.7.08):
(1) "Ein Intersexueller klagt seinen ehemaligen Arzt an" Tages-Anzeiger, 05.02.2008 http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/wissen/medizin/838834.html
(2) "Weder Mann noch Frau" Rundschau, SF1, 19.12.07 Rezension mit Video-Link
(3) "Das dritte Geschlecht" Schweizer Familie, 24.02.2005 Dokumentiert im alten Hermaphroditforum
(4) M. Jürgensen / O. Hiort / U. Thyen: "Kinder und Jugendliche mit Störungen der Geschlechtsentwicklung" Monatsschrift Kinderheilkunde,Vol 156, No 3, March 2008, pp. 226-233 Abstract
(5) "Intersexualität: Menschen zwischen den Geschlechtern" Gynäkologische Endokriniologie, 04/2007 http://www.springer.com/medicine/thema?SGWID=1-10092-2-513709-0

--> Original-Artikel auf de.indymedia.org: http://de.indymedia.org/2008/07/221293.shtml
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Siehe auch:
Wegen Zwitter-Prozess: Druck auf Ärzte wächst
Nach Kritik auf diesem Blog: Urologen erklären Zwangs-Leitlinien für veraltet!
Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern!
Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen!
Krebslüge & Zwangskastrationen an Zwittern
Zwangsoperationen an Zwittern: Wer nicht hören will ...